FORSCHUNG

An der Forschungsstation laufen derzeit verschieden Projekte zur Erforschung der folgenen Organismengruppen:

Die Untersuchungen dienen vor allem dazu die Artenvielfalt zu erfassen, ihre Dynamik festzuhalten, sowie die Mechanismen zu erforschen, die eine so hohe Diversität ermöglichen. Das übergeordnete Ziel aller Projekte ist der Erhalt des Ökosystems und seiner Einzigartigkeit.

ProjektÜbersicht

Ameisen als Rettungssanitäter

Matabele Ameisen (Megaponera analis)
© Erik T. Frank

Westafrikanische Savannen mit ihren langen Trockenzeiten führten zur Evolution innovativer Methoden von Tieren, um in diesem extremen Lebensraum zu überleben. Ameisen und Termiten, die beide für viele Ökosystemfunktionen wichtig sind, mussten daher Wege finden, ihre Kosten zu minimieren, um mit diesen extremen Bedingungen fertig zu werden. Matabele Ameisen (Megaponera analis) sind eine termitenjagende Ameisenart, die in westafrikanischen Savannen vorkommen und organisierte Überfälle gegen Termiten durchführen.

Im Kampf gegen die Termiten erleiden viele der jagenden Ameisen Verletzungen. In meiner Forschung untersuchen wir, wie die Nestkameradinnen diesen Verletzten Individuen helfen. Die Kameradinnen retten die Verletzten, indem sie sie sie zurück ins Nest tragen und so vor gefährlichen Raubtieren retten. Im Inneren des Nestes reinigen sie dann offene Wunden und verhindern so, dass eine gefährliche Infektion die Ameise tötet. Im Moment untersuchen wir, wie die Methoden, mit denen die Ameisen Verletzungen behandeln (z.B. Antibiotika), möglicherweise auch in unseren eigenen medizinischen Behandlungen nützlich sein könnten.

Dr. Erik T. Frank
University of Lausanne, Department of Ecology and Evolution, Schweiz

Symbiose zwischen Termiten & Pilzen

Fruchtkörper von Termitomyces
© N’Golo A. Kone

N’Golo A. Kone interessiert sich für Ökologie im Allgemeinen, Ökosystem-Funktionen und –Dynamik und interspezifische Interaktionen, mit einem Fokus auf mutualistische Symbiosen zwischen Pilzen und anderen Organismen, wie Insekten und Pflanzen. Er hat umfangreiche Erfahrung zum Verständnis der Symbiose zwischen sogenannten pilzzüchtenden Termiten und ihren Pilzen aus der Gattung Termitomyces. Er arbeitet an verschiedenen Aspekten dieser mutualistischen Beziehung mit einem Fokus auf der Diversität, dem Auftreten, der Verbreitung und der Taxonomie der symbiotischen Partner und der Spezifität ihrer Interaktionen. Zusätzlich interessiert ihn aber auch die Sozioökonomie dieser Pilzzucht durch Termiten (d.h. die wichtige Rolle die Termitomyces bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung spielt). Er erweitert derzeit die Monographie für Termitomyces in der Elfenbeinküste. N’Golo interessiert sich auch dafür (i) den Einfluss der saisonalen Buschbrände auf die Diversität und Produktivität von Ectomychorriza in der Sudan-Guinea Savanne zu testen und (ii) für ein nachhaltiges und langfristiges Management Westafrikanischer Savannenökosysteme, durch das Testen des Einflusses des Feuerregimes und seiner Intensität auf die Dynamik der Vegetation. Er hat zahlreiche Langzeitkooperationen mit internationalen Partnern.

Dr. N’Golo Kone
Nangui Abrogoua University, Abidjan, Elfenbeinküste

Termiten als Modellsysteme für Tropische Artenvielfalt

Hügel der dominierenden Art Macrotermes bellicosus
© Judith Korb

Die Tropen sind die Schatzkammer der Artenvielfalt. Wir möchten ergründen, warum so viel mehr Arten in den Tropen leben als in den gemäßigten Breiten. Dazu nutzen wir Termiten als Modellsysteme, die u.a. als Zersetzer eine essenzielle Rolle in tropischen Savannen spielen. Unsere Studien führen wir seit Mitte der 1990er im Comoé Nationalpark durch. Sie umfassen u.a. (i) die Identifizierung neuer Arten, (ii) die Erfassung der Termitenvielfalt und der Prozesse, die ihre Gemeinschaften strukturieren und ihre Koexistenz ermöglichen, und (iii) ein Langzeitmonitoring des ‚Ökosystemingenieurs‘ und Hügelbauers Macrotermes bellicosus (siehe Abb.), um den Einfluss des Klimawandels in der Savanne zu untersuchen. Daneben untersuchen wir auch (iv) Hügelarchitektur und Thermoregulation sowie (v) das Rätsel der außergewöhnlichen Langlebigkeit von Termitenkönig[inn]en.

Prof. Dr. Judith Korb
Evolutionary Biology & Ecology, University of Freiburg, Deutschland

Langzeitmonitoring von Großsäugern

Großsäuger sind wichtige und charismatische Tierarten von Savannenökosystemen. Gleichzeitig unterliegen sie einem starken Druck durch illegale Verfolgung; dies auch im Comoé Nationalpark. Um mehr über die Dichten von tagaktiven Großsäugern zu erfahren, führten wir in den 1990er Jahren standardisierte Zählungen entlang der Hauptpisten im Südwesten des Parks durch. Nach einer Unterbrechung ab 2001 wurden die Zählungen 2015 erneut aufgenommen. Diese Langzeitdaten erlauben es uns, Änderungen in der Zusammensetzung der Großsäuger der Savanne zu untersuchen und einen möglichen Einfluss der politischen Unruhen und der Ebolakrise (Bann des Verkaufs von Wildfleisch zwischen 2013-2016) aufzuzeigen.

Zudem führen wir intensivere Studien zur Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta) durch, die Nahrungsanalysen mittels Kotproben einschließen. Diese zeigen einen starken Rückgang von Tüpfelhyänen im Südwesten des Parks und einen Wechsel ihres Beutespektrums zwischen den 1990er und den 2010er Jahren.

Prof Dr. Judith Korb1, Dr. Volker Salewski2
1
Evolutionary Biology & Ecology, University of Freiburg, Deutschland
2
Michael-Otto Institut im NABU, Bergenhusen, Deutschland

Grüne Klasse

© Camille Lavoix

Schulkinder werden regelmäßig aus dem Dorf Kakpin an die Station eingeladen, um das Labor, die Mikroskope, den Fluss und den Park zu entdecken. Zusammen mit ihren Lehrern, Schülern und Mitarbeitern erkunden sie die Station, um Insekten und Schmetterlinge zu sammeln. Die Wissenschaftler der Station sagen ihnen dann, was es ist und erklären, was ein Wissenschaftler tut und warum es verboten ist, zu wildern und wie wichtig der Schutz der Natur ist. Während dieser Naturexkursionen werden auch traditionelle Geschichten über die Tiere des Comoé ausgetauscht (ein Kinderbuch mit dem Titel „Geschichten des Comoé“ ist in Arbeit). Die ersten beiden Exkursionen wurden dank der Schweizer Botschaft in Abidjan finanziert und Spenden würden dazu beitragen, diese Schulausflüge auch in Zukunft fortzusetzen.

Mehr Informationen auf der Facebook-Seite « Comoé : l’art de l’écologie » : https://www.facebook.com/Como%C3%A9-lart-de-l%C3%A9cologie-105341790882466/

Camille Lavoix

Künstlerresidenz

© Camille Lavoix

Für die erste Sitzung der Künstlerresidenz im Oktober 2019 wurden Künstler eingeladen, die Station zu besuchen um Bilder, Gemälde und Zeichnungen über den Comoé zu erstellen. Mamoudou Bolly kam aus Burkina Faso, um mit natürlichen Farben aus Blättern zu malen und gab einen wunderbaren Workshop für Kinder in der Schule von Kakpin und für die Mitarbeiter der Station. Stephen Walters, einer der besten Kartenmacher der Welt, kam aus London, um eine unglaubliche Karte von der Station, dem Dorf und dem Park voller biologischer und kultureller Referenzen zu zeichnen. In Abidjan fand eine gemeinsame Kunstausstellung mit allen Beteiligten aus Forschung, Naturschutz, Entwicklung und Kunst statt, um Kunst und Forschung an der Station zu fördern. Die Kunstwerke stehen zum Verkauf, 50% gehen an den Künstler und 50% an die NGO-Freunde und Förderer der Comoé Forschungsstation, um Stipendien an Studenten zu vergeben, die zur Station kommen und der Schule des Dorfes helfen. Die erste Ausgabe der künstlerischen Residenz wurde dank der Botschaften der Schweiz und Frankreichs sowie der Schweizerischen Zusammenarbeit von Burkina Faso ermöglicht.

Mehr Informationen unter: https://www.facebook.com/events/373474176868289/?active_tab=discussion
https://www.dropbox.com/s/jlhg9pib867g9c9/2.liste%20des%20oeuvres%20Como%C3%A9.xlsx?dl=0

Camille Lavoix

Schulbibliothek in Kakpin

© Camille Lavoix

Die Bibliothek der Schule wurde 2019 dank eines Zuschusses der Schweizer Botschaft in Abidjan wiederaufgebaut. Wir haben 100 Bücher aus der Schweiz mitgebracht, aber es ist noch etwas leer. Es ist wichtig, den Dorfbewohnern eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen, da Naturschutz nur funktionieren kann, wenn die Bewohner Drumherum diese ebenfalls verstehen und wertschätzen können. Zur Einweihung der Bibliothek entsandten das Bildungsministerium und der Leiter der Region Vertreter in das Dorf Kakpin. Wir beantragen ein neues Stipendium bei der Deutschen Botschaft in Abidjan zur Deckung der Kosten für eine neue Schule und erhalten hoffentlich 10.000€. Für den Wiederaufbau der Badezimmer sind noch 2000 € erforderlich, damit Mädchen öfter zur Schule gehen können, ohne die Scham, ihr Geschäft in der Öffentlichkeit zu machen (ein großes Hindernis für die Frauenbildung in der Region).

Mehr Informationen auf der Facebook-Seite « Comoé : l’art de l’écologie »: https://www.facebook.com/Como%C3%A9-lart-de-l%C3%A9cologie-105341790882466/

Camille Lavoix

zugverhalten von Trauerschnäppern im Klimawandel

Menschlich verursachter Klimawandel verändert die Lebensräume unseres Planeten. Die Gründe warum Zugvögel nur ungenügende Anpassungen an den Klimawandel zeigen, sind wenig verstanden. Der Trauerschnäpper wird intensiv in seinem Brutgebiet untersucht und wurde zu der Modelart für Studien zu Anpassungen von Zugvögeln an den Klimawandel. Zugvögel stehen unter dem Druck ihre Ankunftszeiten vorzuverlegen, um sich an den früheren Beginn des Frühlings in Europa anzupassen. Seit 2017 führe ich ökologische Studien am Trauerschnäpper im Comoé Nationalpark durch, um die Bedeutung ihres afrikanischen Überwinterungsgebiets für ihre Ankunftszeit zu studieren. Dies ist, wie für die meisten Singvögel, wenig untersucht. Diese Forschung kombiniert ganzjähriges Tracking, DNA-basierte Nahrungsanalysen und Langzeitdaten zur Brutpopulation (von Prof. C Both). Der Doktorand Wender wird sich auf die Rolle der kleinskaligen Habitatsdynamik und die Flexibilität von Einzelindividuen in ihrem (räumlichen) Verhalten und der Habitatnutzung konzentrieren. Unsere Forschung zielt darauf ab, aufzuzeigen wie Bedingungen im Überwinterungsgebiet und das Überwinterungsverhalten nachfolgende Entscheidungen und Fitness beeinflussen und damit die Anpassungsfähigkeit von Trauerschnäppern an den Klimawandel formen. Die Ergebnisse werden die Grundlage für ein besseres Verständnis der Anpassungsfähigkeiten von Zugvögeln bilden.

Dr. Janne Ouwehand & Wender Bil
Groningen Institute for Evolutionary Life Sciences, Conservation Ecology Group, University of Groningen, Niederlande

Antimikrobielle Substanzen von Termiten

Pilzkammer von Odontotermes sp.
© Michael Poulsen

Pilzzüchtende Termiten haben 30 Millionen Jahre vor den Menschen ausgefeilte Farm-Symbiosen evolviert und diese scheinen nicht unter Krankheiten zu leiden, trotz ihrer massiven Koloniegrößen und langen Lebensspanne. Im Comoé Nationalpark arbeiten wir an Projekten, um ein besseres Verständnis zu bekommen, wie Termiten es schaffen ihre kultivierten Pilze frei von Krankheiten zu halten. Das übergeordnete Ziel ist es zu bestimmen, warum sich keine Antibiotika Resistenzen gegen die antimikrobiellen Substanzen der Termiten entwickelt haben. Aufbauend auf unseren mechanistischen Erkenntnissen zielen wir darauf ab, die Termiten-Farm Symbiose als Model zu entwickeln, um Konzepte zu testen, die von allgemeiner Relevanz sind, um ‚Antibiotika‘ Anwendung in der Natur zu verstehen. Dazu benutzen wir eine Reihe von Methoden, diese reichen von Verhaltensbeobachtungen und der Isolation von Mikroben bis zu Genomik, Metagenomik und Metabolomik. Wir führen unsere Untersuchungen vergleichend durch, in dem wir verschiedene Arten von pilzzüchtenden Termiten betrachten, die die gesamte evolutionäre Geschichte der Termite-Pilz Symbiose umfassen. Wir glauben, dass es für die Evolutionsbiologie fundamental wichtig ist, die Prinzipien dieses Krankheitsmanagements zu verstehen. Es kann helfen zu einer nachhaltigen Anwendung von Substanzen mit antimikrobiellen Eigenschaften zu kommen. Für mehr Informationen, siehe https://www.socialsymbioticevolution.com/.

Prof. Dr. Michael Poulsen
University of Copenhagen, Dänemark

amphibien & Reptilien

Seit den frühen 1990er untersuchen mein Team und ich die Herpetofauna (Amphibien und Reptilien) des Comoé Nationalparks. Gegenwärtig sind mehr als 100 Arten (33 Frösche, 3 Krokodile, 3 Schildkröten, 19 Eidechsen und 45 Schlangen) für den Park beschrieben und einige mehr werden noch erwartet. Unsere Forschung zielte zunächst darauf ab, die Fauna zu inventarisieren und Fragen zur Biologie ausgewählter Amphibien-Arten und zu Prozessen der Strukturierung von Kaulquappengemeinschaften zu untersuchen.

Gegenwärtig interessiert uns wie die Amphibiengemeinschaften – und ihre Ökosystemleistungen – durch den Rückgang großer herbivorer Säugetiere während der politischen Unruhen in den frühen 2000er beeinflusst wurden. Da wir bereits in den 1990ern quantitative Daten erhoben haben, können wir direkt den Einfluss auf die gegenwärtigen Habitate und Gemeinschaften bestimmen. Vorläufige Ergebnisse legen nahe, dass der Rückgang der großen Säugetiere eventuell die Vegetationsstruktur der Savannentümpel geändert hat, was vermutlich einen großen Einfluss auf die Kaulquappengemeinschaften und ihre Funktion haben könnte. 

PD Dr. Mark-Oliver Rödel
mo.roedel@mfn.berlin
Museum für Naturkunde Berlin, Deutschland

geier

Wollkopfgeier (Trigonoceps occipitalis)
© Volker Salewski

Geier sind Indikatoren funktionierender Savannenökosysteme. Funktionierende Savannensysteme sind in West Afrika jedoch selten geworden. Der Verlust geeigneter Lebensräume mit dem Verschwinden von Brutbäumen und geeigneter Nahrung, die Kollision mit Stromleitungen aber vor allem Verfolgung, unter anderem durch unbeabsichtigte und beabsichtigte Vergiftungen sowie der Handel mit Geiern und deren Körperteilen haben zu einem völligen Zusammenbrechen der Bestände in weiten Teilen Westafrikas während der letzten Jahrzehnte geführt. Große Schutzgebiete, wie der Comoé Nationalpark, gelten als letzte Refugien für vom Aussterben bedrohte Geierarten in Westafrika. Von den fünf Geierarten, die im Park vorkommen, gilt nach den Kriterien der IUCN eine Art als „stark gefährdet“ und drei Arten als „vom Aussterben bedroht“.

In einem Projekt der NABU International Naturschutzstiftung (mit Unterstützung von ITRAC GmbH, Regensburg) werden seit 2017 die Bestände verschiedener Geierarten im Südwesten des Parks erfasst. Siebenundvierzig gefundene Nester von drei vom Aussterben bedrohten Arten belegen die Schlüsselrolle des Parks beim Schutz von Geiern in Westafrika. In Zusammenarbeit mit der Universität Nangui Abrogoua sind weitere Projekte zum Fortpflanzungserfolg und zur Rolle von Geiern in der Gesellschaft und der traditionellen Medizin geplant. Weiterhin ist geplant Geier mit GPS-Loggern auszurüsten um ihre Streifgebiete und letztendlich die zum Erhalt eines Bestands notwendige Größe eines Schutzgebietes zu ermitteln.

Dr. Volker Salewski
NABU (Naturschutz Bund Deutschland), Michael-Otto Institut, Bergenhusen, Deutschland